Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Hilders/ “Handwerkerhof“

Heute leben hier acht Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren. Der geschichtsträchtige Name soll Programm sein für die Bemühungen um die jungen Flüchtlinge, das nötige Handwerk zu erlernen, sich in der neuen Heimat Deutschland und im neuen Kulturraum zurechtzufinden. Dies gelingt hier in Hilders in angenehm dörflicher Atmosphäre mit guter Infrastruktur.

Hätten Sie´s gewusst?

Tedros* fragt seinen Betreuer, ob dieser weiß, wie viel Stromkosten eine deutsche Durchschnittsfamilie hat. Vorsichtige Antwort: "Nicht so genau!"  Etwa 80 Euro, erwidert Tedros zügig, vielleicht auch, um den Betreuer vor einer Peinlichkeit zu bewahren. Dies hat Tedros in der Schule gelernt und ist überrascht über die hohen Kosten hier in Deutschland. In seiner Heimat Eritrea wären das von ihm geschätzte 3 Euro.

Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, auf sparsamen Umgang mit Licht, Strom, Heizung und anderen Gütern aufmerksam zu machen und auf das wirkliche Leben, das auf unsere Jugendlichen zukommen wird, vorbereitet zu sein. Informationen, umfassende Alltagskenntnisse und verinnerlichte Ordnungsstrukturen sind hierzu nötig. Innerhalb von 1 bis 1,5 Jahren werden unsere Jugendlichen zu größtmöglicher Selbständigkeit befähigt. Grundlagen sind der umfassende Spracherwerb, eine den individuellen Fähigkeiten angepasste Schul- und Berufsausbildung, eine aktive gesellschaftliche Integration sowie  die Übernahme so wichtiger und in Ausbildungsbetrieben verlangten Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

Zwei Jugendliche stehen bei einem Sonnenuntergang auf einem Berg. Sie haben sich so hingestellt, dass  ihre Silhouette einer Windmühle gleicht.Wir fühlen uns wohlWohngruppe Hilders

Das Leben in der Wohngruppe mit familiärer Atmosphäre soll die Jugendlichen auf ein selbständiges Leben in Deutschland vorbereiten. Der strukturierte Alltag bietet Halt und emotionale Sicherheit auf dem Hintergrund des erlebten Verlustes wichtiger Menschen. Fachlich ausgebildete Sozialpädagogen/Sozialpädagoginnen, Erzieher/Erzieherinnen und Erlebnispädagogen begleiten  die Jugendlichen 24 Stunden, also Tag und Nacht, und bieten intensive Beziehungsarbeit. Die medizinische Versorgung und auch die Einbeziehung externer Fachkräfte sind gewährleistet.

Neben der Möglichkeit kulturelle und religiöse Bedürfnisse bei Festen, Feiern und der Nahrungszubereitung zu leben, verinnerlichen die Jugendlichen im Tagesablauf die Übernahme regelmäßiger Gruppendienste wie Kochen, Putzen und Einkaufen. Die Einzel- und Doppelzimmer können individuell gestaltet  werden. Kontakte zur Bevölkerung sind erwünscht und werden seitens der Pädagogen unterstützt, ebenso wie die aktive Öffentlichkeitsarbeit zu Schulen, Behörden, Dorfbewohnern und Vereinen. Fußball ist die Sprache der Welt und so finden sich viele unserer Jugendlichen in den ortsansässigen Vereinen wieder. Der Erwerb des Fahrradführerscheins und des Schwimmabzeichens ist obligatorisch. Über erlebnispädagogische Angebote wie Radtouren, Wandern und Klettern werden das Selbstwertgefühl gesteigert und bei Ausdauersportarten durch "Auspowern" das allgemeine Wohlbefinden und die persönliche Zufriedenheit erhöht.

Einmal im Jahr erleben die Jugendlichen eine mehrtägige Ferienfreizeit. Dabei können  durch kreative, musikalische oder sportliche Angebote Kontakte mit Menschen aller Art geknüpft, neue Fähigkeiten kennengelernt aber auch persönliche Grenzen erfahren werden, die letztendlich die Persönlichkeit fordern, formen und emotionale Gruppenerlebnisse ermöglichen.

*Name wurde geändert